7 Fragen an Cédric Dupont

Harald-Albert Swik: Herr Dupont, wann haben Sie zum ersten Mal von dem Schlager Monsieur Dupont der Sängerin Manuela gehört?
Cédric Dupont:
Oh, das war vor ungefähr fünf oder sechs Jahren. Ich finde das Lied toll. Es ist beschwingt und lustig – und das kann ich manchmal gut gebrauchen. Natürlich habe ich nichts mit diesem Schlager zu tun, genauso wenig wie mit der Feuerzeugfirma Dupont oder dem Chemiekonzern DuPont. Der Name ist weit verbreitet, und ich trage ihn mit Zufriedenheit.

HAS: Wann und wie sind Sie zum ersten Mal mit dem Roten Kreuz in Berührung gekommen?
CD:
Während meines Studiums im belgischen Namur war ich in einer Studentenvereinigung aktiv. Gemeinsam haben wir beschlossen, einmal Blut zu spenden. In Belgien organisiert – ähnlich wie in Deutschland – das Rote Kreuz die Spendertermine. Aus einer einmaligen Spende wurden viele, nicht nur aus altruistischen Gründen, sondern auch, weil ich mich danach körperlich besser fühlte. Als ich nach Deutschland zog, suchte ich in meiner Umgebung nach einer Möglichkeit, weiter Blut zu spenden, und trat mit meinem belgischen Spenderausweis beim Roten Kreuz an. Allerdings wurde mein Spenderausweis nicht anerkannt – mein Blut jedoch schon. Meine bisherigen 15 oder 16 belgischen Spenden wurden nicht mitgezählt, sodass ich hier bei null anfangen musste. Inzwischen bin ich wieder bei 44 Spenden, denn ich versuche, alle zwei Monate in Berlin, wo ich wohne, zu spenden. 

HAS: Wie kamen Sie auf die Idee, sich beim DRK-Kreisverband auf eine Stellenausschreibung zu bewerben? Sie waren doch vorher im Hotelgewerbe tätig.
CD:
Nach meiner Zeit in der Hotellerie, wo ich zuletzt in Neuruppin gearbeitet habe, leitete ich zwei Jahre lang eine Seniorenresidenz sowie eine stationäre Einrichtung. Zudem habe ich geholfen, weitere Senioreneinrichtungen in Hamburg und Berlin aufzubauen. Da diese Aufgaben von meinem Wohnort im Süden Berlins aus mit langen Fahrtzeiten verbunden waren, wollte ich etwas Neues wagen. Besonders reizte mich die Gestaltung bestehender Strukturen. Im Bewerbungsgespräch wurde deutlich, dass es genau darum geht – und das hat mich sofort angesprochen.

HAS: Was sind für Sie die wichtigsten Aspekte in der Pflege?
CD:
Der Mensch steht im Mittelpunkt. Es geht nicht um Maschinen oder Immobilien, sondern um die Bewohner unserer Einrichtungen sowie die Menschen, die sie betreuen. Für die Pflegekräfte wurde mit dem DRK-Reformtarifvertrag ein wichtiger Schritt getan, um eine attraktive Gehaltsentwicklung zu ermöglichen. Im Vergleich zu früheren Zeiten sind wir heute konkurrenzfähig. Zudem bietet die Pflegebranche einen sicheren Arbeitsplatz – ich behaupte sogar: bis in die Enkelgeneration. Für die Pflegebedürftigen ist entscheidend, dass sie sich gut aufgehoben fühlen. Unser Ansatz ist im vollstationären Bereich z.B. ist die Bezugspflege: Ein fester Kreis von Mitarbeitern betreut die Bewohner individuell. Eine Bezugspflegekraft und ihr Team sorgen für Vertrautheit und ein stabiles Umfeld. Darüber hinaus legen wir großen Wert darauf, dass das Leben unserer Bewohner durch Besuche, gemeinsame Aktivitäten oder einfach durch zwischenmenschliche Zuwendung abwechslungsreicher wird. Gerade an dieser Stelle sind Ehrenamtliche eine großartige Unterstützung und aus unserem Einrichtungsalltag nicht mehr wegzudenken. Ein weiterer wichtiger Aspekt für uns ist ein noch größeres Augenmerk auf den eigenen Nachwuchs. Wir freuen uns, zukünftig mehr Ausbildungsplätze anbieten zu können und garantieren zudem frühzeitig die Übernahme für erfolgreiche Absolventen.

HAS: Sie sprechen von der Einbeziehung von Ehrenamtlichen. Wie stellen Sie sich das konkret vor?
CD:
Am Beispiel von Luckau lässt sich das gut verdeutlichen. Dort sind wir mit unserer Hauskrankenpflege und der Gemeindeschwester nah an den Menschen dran. Viele Senioren haben wenige soziale Kontakte außerhalb des Pflegedienstes. Dadurch drohen sie nicht nur zu vereinsamen, sondern auch motorische und sprachliche Fähigkeiten zu verlieren. Hier unterstützen die Ehrenamtlichen: Sie lesen vor, sind Gesprächspartner, spielen gemeinsam oder unterstützen gezielt bei der Mobilität. Dieses ehrenamtliche Engagement gibt nicht nur, sondern ist auch für diejenigen, die Zeit und Unterstützung spenden, höchst bereichernd. Wir freuen uns über jeden, der sich einbringen möchte und schaffen gute und förderliche Rahmenbedingungen für das Engagement.

HAS: Bei so vielen parallelen Aufgaben: Bleibt da noch Zeit für Familie und Freizeit?
CD:
Doch, das geht gut. Natürlich gibt es keine Rotkreuz-freie Zone zu Hause – das lässt sich mit zwei kleinen Kindern gar nicht vermeiden. Sie wissen, dass Papa beim DRK arbeitet, und erkennen das Logo sofort. Meine Frau und ich sind beide berufstätig und teilen uns die Kinderbetreuung. Mein Tagesablauf ist gut strukturiert: Bevor ich ins Büro fahre arbeite ich in der Regel bereits digital und telefonisch. Gegen 17 Uhr geht es zurück nach Hause, wo die Familie Vorrang hat. Natürlich gibt es Abende mit Veranstaltungen, aber ich versuche, die Balance zu halten. In meiner Freizeit entspanne ich mich beim Angeln oder power mich bei Radtouren aus. Einmal jährlich nehme ich am Berliner Velocity-Rennen über 60 km teil, und demnächst möchte ich ein 100-km-Rennen bestreiten. Dabei geht es mir weniger um das Gewinnen, sondern darum, Kraft zu tanken.

HAS: Abschließend: Wo sehen Sie sich und die Pflege in zehn Jahren?
CD:
Ich bin ein großer Befürworter von Organisationsentwicklung. Der Vorstand hat einen starken Prozess angestoßen, in den wir als Geschäftsbereichsleiter aktiv einbezogen werden. Ich setze mich dafür ein, dass nicht nur die Spitze, sondern auch meine 23 Führungskräfte und letztlich alle Mitarbeitenden mitgestalten können. Insbesondere in der Pflege stehen wir vor weiteren Entwicklungen. Wir müssen uns nicht nur auf die Sicherstellung der Versorgung einer steigenden Anzahl pflegebedürftiger Menschen konzentrieren, sondern auch darüber hinaus gehende Punkte abbilden. Dazu gehört z.B. die Befähigung breiter Bevölkerungsschichten, in Katastrophen und Krisenfällen Hilfe leisten zu können, sich in grundlegenden Facetten um sich, um pflegebedürftige und ältere Menschen kümmern zu können, resilient zu sein. Das ist ein anspruchsvoller aber wichtiger Bereich und ich merke insbesondere bei meinen Führungskräften, dass sie dabei mitarbeiten und mitgestalten wollen. Das ist auch notwendig und entspricht unserer gesellschaftlichen Verantwortung als Rotes Kreuz. Es macht mir großen Spaß, meinen Bereich nicht nur gut durch die auf uns zukommenden Jahre des demographischen Wandels, sondern auch über unseren eigenen Tellerrand hinaus gut aufzustellen und Prozesse weiter vorantreiben.

HAS: Ich wünsche Ihnen diese Erfolge, denn sie sind ja für uns alle – und dazu die Gesundheit und Motivation weiterhin. Herzlichen Dank für das Interview

© DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald e.V.